{"id":662,"date":"2012-12-07T08:56:18","date_gmt":"2012-12-07T06:56:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreas-dresen.de\/wordpress\/?page_id=662"},"modified":"2012-12-07T09:38:25","modified_gmt":"2012-12-07T07:38:25","slug":"leseprobe-samson-und-die-stadt-des-bleichen-teufels","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.andreas-dresen.de\/wordpress\/?page_id=662","title":{"rendered":"Leseprobe Samson und die STADT des bleichen Teufels"},"content":{"rendered":"<p><strong>Leseprobe <\/strong>aus<strong> <a href=\"http:\/\/bit.ly\/11OZjKF\">Samson und die STADT des bleichen Teufels<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Aus <strong>Devil Malone<\/strong><\/p>\n<p>Devil Malone wartete geduldig. Er hatte Zeit. Alles lief, wie er es wollte. Er starrte in die Dunkelheit. Es tropfte von der Decke. Das stetige Rauschen des Flusses \u00fcbert\u00f6nte die meisten Ger\u00e4usche, trotzdem h\u00f6rte Devil die Tropfen auf den kalten Stein aufschlagen. Er nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette, lie\u00df den Rauch um sein Gesicht wabern. Es war ungem\u00fctlich kalt hier. Obwohl der n\u00e4chste Ausgang zur oberen Welt kilometerweit fort sein musste, pfiff ein eisiger Wind durch diese H\u00f6hle. Er r\u00fcckte den wei\u00dfen Schal zurecht, den er sich um den Hals geschlungen hatte. Der dunkle Anzug war kein wirklicher Schutz gegen die bei\u00dfende K\u00e4lte, auch das d\u00fcnne, wei\u00dfe Hemd mit der schmalen, ele- ganten Krawatte nicht. Doch darauf kam es auch nicht an.<\/p>\n<p>Devil zog erneut an der Zigarette, die Glut erleuchtete die Dunkelheit um ihn herum. Er konnte nur wenig erkennen, da es stockfinster war, aber er wusste, nur ein paar Meter hinter ihm war der Eingang nach Dark Vegas, der Weg zu- r\u00fcck zum Licht. Auch wenn es nur ein schummriges, flackerndes, ewig k\u00fcnstli- ches Licht war.<\/p>\n<p>Der Gedanke an Licht und Helligkeit lie\u00dfen Devil unruhig werden. Er rutschte von einem Fu\u00df auf den anderen. Kurz blickte er sich um, aber hier war niemand. Nur er, der Fluss und die K\u00e4lte in der Dunkelheit. Schnell schnippte er den Ziga- rettenstummel in die rei\u00dfenden Fluten und griff in die Innentasche seines Ja- cketts. Heraus zog er ein kleines P\u00e4ckchen, das durch eine dunkle Schutzfolie schwach schimmerte. Noch einmal vergewisserte Devil sich, dass ihn niemand sah. Eine solche Schw\u00e4che w\u00fcrde hier unten schnell ausgenutzt werden, das wusste er. Trotzdem, er brauchte das jetzt. Er schloss die Augen und riss mit ei- nem energischen Ruck die Schutzfolie von dem P\u00e4ckchen. Ein glei\u00dfender Licht- strahl brach aus dem Pack hervor und erhellte Devils Gesicht in einem warmen Glanz. Er brauchte das. Schnell und heimlich legte er sich die k\u00fchle Lichtkom- presse auf die Augen. Durch die geschlossenen Lider flutete kurz und heftig ein helles Strahlen. Es erf\u00fcllte sein gesamtes Blickfeld. Devil sp\u00fcrte, wie das Licht seinen K\u00f6rper erw\u00e4rmte. Es floss durch seine Adern, kleine chemische Reaktio- nen ausl\u00f6send, umsp\u00fclte sein Herz, verkrampfte seinen Magen in der Sehnsucht nach mehr und enthob ihn f\u00fcr einen kurzen Augenblick allen irdischen Daseins. Er atmete tief ein, gerade so, als wollte er das Licht aufsaugen. Er st\u00f6hnte leise, als seine Muskeln sich entspannten und seine Lippen sich zu einem leichten L\u00e4- cheln verzogen. Dann lie\u00df die Wirkung viel zu schnell nach.<\/p>\n<p>Devil \u00f6ffnete die Augen und blickte versch\u00e4mt um sich, ob ihn jemand beobach- tete hatte. Bald schon, dachte er, bald bin ich nicht mehr auf diese Instantl\u00f6sung<\/p>\n<p>Sie werden mich nicht auf ewig in diesem Loch halten k\u00f6nnen. Ich werde kommen und mir holen, was mir zusteht. Dann war es vorbei. Das Licht war aufgebraucht und die Dunkelheit kroch umso st\u00e4rker wieder zur\u00fcck. Devil schauderte. Ich habe es unter Kontrolle, dachte er. Kein Problem.<\/p>\n<p>Er blinzelte und richtete seinen Blick wieder auf den Fluss. War da was? Er war sich nicht sicher, ob ihm seine Augen einen Streich spielten und er durch den Lichtschuss nun Flecken vor den Augen hatte, oder ob er wirklich ein Licht sah. Dort dr\u00fcben am anderen Ufer des Flusses, oder besser gesagt dort, wo er das an- dere Ufer des Flusses vermutete. Devil war nat\u00fcrlich noch nie dr\u00fcben gewesen und er hoffte, diesen Besuch auch noch sehr lange hinausschieben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Er sah noch einmal genauer hin. Na endlich, dachte er, als er sicher war, dass sich dort, schwankend auf den tosenden Fluten, ein kleines, aber helles Licht n\u00e4herte. Devil wartete, behielt das Licht im Auge. Er fragte sich schon lange nicht mehr, wie der alte Mann sein Boot mit nur einem Stab \u00fcber den rei\u00dfenden Fluss \u00fcbersetzen konnte. Das war und blieb das Geheimnis des F\u00e4hrmanns. \u201eHallo, alter Mann\u201c, sagte Devil, als das Boot vor ihm am Ufer anlegte. Die Wellen tosten an seinem Rumpf, aber das kleine Schiff blieb so ruhig, als triebe es an einem Sommernachmittag auf einem friedlichen T\u00fcmpel. \u201eIch m\u00f6chte dir ein Gesch\u00e4ft vorschlagen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin der F\u00e4hrmann, ich bin unbestechlich\u201c, sagte der F\u00e4hrmann. Devil seufz- te. Er h\u00f6rte diesen Spruch nun jedes Mal, wenn er einen Toten in Empfang nahm. Das schien f\u00fcr den Alten zum Spiel zu geh\u00f6ren. Schlie\u00dflich war es ei- gentlich seine Aufgabe, die Verstorbenen auf die andere Seite des Flusses zu bringen \u2013 und nicht wieder zur\u00fcck. Doch jeder hat seine Schwachstellen.<\/p>\n<p>\u201eAber du bist k\u00e4uflich\u201c, lachte Devil Malone b\u00f6se und dr\u00fcckte ihm etwas Geld in die Hand. \u201eIch will dein Blutgeld nicht.\u201c Der F\u00e4hrmann verzog das Gesicht, lie\u00df das Geld aber nicht los. \u201eWas soll ich damit auch hier unten? Wenn du mich nicht in der Hand h\u00e4ttest &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch komm, lass doch die alten Geschichten. Du k\u00f6nntest gelegentlich in meine R\u00e4umlichkeiten kommen. Nette Gesellschaft ist garantiert! Du bist doch so al- lein. Und bei uns werden die Karten immer wieder neu gemischt. Gespielt wird immer und der Einsatz ist manchmal zu hoch \u2013 und das obwohl die meisten schon ihre Seele verspielt haben.\u201c Devil lachte dreckig. Als er merkte, dass der F\u00e4hrmann keine Miene verzog, lachte er noch etwas lauter.<\/p>\n<p>\u201eLos, steig aus.\u201c Der F\u00e4hrmann hatte sich umgedreht und sprach nun mit seinem Gast. Der Mann, der bisher irritiert auf der R\u00fcckbank gesessen hatte, stand unsi- cher auf und trat nach vorne. Vorsichtig kletterte er auf den rutschigen Felsen, stand dann unschl\u00fcssig neben Devil Malone.<\/p>\n<p>\u201eMan hat f\u00fcr dich bezahlt.\u201c Der Verstorbene blickte Devil nur verst\u00e4ndnislos an. \u201eDeine Familie hat alles, was sie hatte, gegeben, damit ich dich vom Tod errette. Und du siehst, ich habe ein weiches Herz. Ich habe meine Beziehungen spielen lassen und habe dich dem Tod abgekauft.\u201c Der Mann blickte ihn immer noch an, als w\u00fcrde er \u00fcberhaupt nicht verstehen, was hier vor sich ging. Vor wenigen Stunden noch war er bei seiner Familie ge- wesen. Seine f\u00fcnf Kinder hatten gebr\u00fcllt, waren durch die kleine Zwei-Zimmer- Wohnung getobt. Seine Frau hatte abwechselnd geweint oder geschrien und die Nachbarn standen im 10-Minuten-Takt vor seiner T\u00fcr und beschwerten sich. Er war nur mal kurz vor die T\u00fcr gegangen, um zum Kiosk zu laufen. Dort, wo der Verr\u00fcckte mit dem sch\u00e4bigen Hut immer stand. Hatte er die Stra\u00dfe \u00fcberquert? War er \u00fcberfahren worden? Er konnte sich nicht daran erinnern. Er wusste nur, dass es pl\u00f6tzlich dunkel geworden war. Stimmen hatte er noch geh\u00f6rt, aufgereg- te, aber auch ruhige. Aber da hatte ihn die Dunkelheit schon so angezogen, dass er nicht mehr darauf geh\u00f6rt hatte. Stille war \u00fcber ihn geschwappt, wie eine Wo- ge dunklen, warmen Wassers. Als er zu sich gekommen war, sa\u00df er bereits im Boot des F\u00e4hrmanns. \u201eBist du mir dankbar?\u201c Devil l\u00e4chelte ihn freundlich an. Er nickte. \u201eDas solltest du auch sein.\u201c Malone machte eine kleine Pause und f\u00fchrte den Verstorbenen vom Fluss weg. Langsam gingen sie auf den Ausgang zu. Das leichte Flackern von Neonr\u00f6hren durchdrang die Dunkelheit. \u201eIch habe dich vor dem Tod, vor der Dunkelheit und der ewigen Verdammnis gerettet, weil deine Familie mich darum gebeten hat. Wei\u00dft du, ich habe ein gu- tes Herz und tue anderen gerne einen Gefallen. Verstehst du das?\u201c Der Verstorbene nickte. Er verstand \u00fcberhaupt nichts. Wieso durfte er nicht in der Dunkelheit bleiben? Dort, wo es warm und ewig war? Dort hatte er sich auf- gehoben gef\u00fchlt. Die Erinnerung an seine Familie war bereits blasser geworden, wie alle Erinnerungen an sein Leben. Seine Frau war sch\u00f6n gewesen, auch ihr Name passte zu ihr &#8230; Doch er konnte sich bereits nicht mehr wirklich daran er- innern. \u201eNun bist du hier. Leider &#8230;\u201c Devil hob bedauernd die Augenbrauen \u201eleider deckte das Verm\u00f6gen deiner Familie nicht ganz die Ausgaben, die ich hatte, um dich da rauszuholen. Du warst nicht besonders sparsam, oder?\u201c Der Verstorbene r\u00e4usperte sich, erinnerte sich kurz an sein altes Leben. \u201eDie Kinder &#8230; f\u00fcnf St\u00fcck &#8230; und dann war der Job weg &#8230;\u201c \u201eJa, ja, so hat jeder sein P\u00e4ckchen zu tragen. Aber ich m\u00f6chte dir helfen. Ich m\u00f6chte dir ein Gesch\u00e4ft vorschlagen. Du wirst verstehen, dass ich dich so nicht einfach wieder nach oben lassen kann. Ich bin das finanzielle Risiko eingegan- gen und habe f\u00fcr dich geb\u00fcrgt. Bevor du zu deiner Familie zur\u00fcck kannst, f\u00e4nde<\/p>\n<p>ich es sch\u00f6n, wenn du dich an unserer kleinen &#8230; Transaktion beteiligen w\u00fcr- dest. Schlie\u00dflich hast du die ganze Unruhe verursacht, nicht wahr?\u201c Devil lach- te. Sie waren durch einen langen, gekachelten Korridor gegangen, hell erleuchtet durch Neonr\u00f6hren. Devil war stehengeblieben und griff nach einer der beiden T\u00fcren am Ende des Korridors, hielt aber noch kurz inne.<\/p>\n<p>\u201eAlso abgemacht? Du hilfst mir, deine Schulden abzutragen. Danach &#8230; kannst du gehen, wohin du willst. Ok?\u201c Der Verstorbene nickte. \u201eWie lange?\u201c \u201eViel k\u00fcrzer als die Ewigkeit. Vielleicht ein-, zweihundert Jahre?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber dann ist doch meine Familie l\u00e4ngst tot!\u201c Devil lachte. \u201eDas ist doch nicht meine Schuld. Wenn du willst, kann ich sie f\u00fcr dich freikaufen, wenn du dann Geld hast.\u201c Er \u00f6ffnete die T\u00fcr. Hitze schlug ihnen entgegen, lie\u00df den Verstorbenen zur\u00fccktaumeln. Doch Devil packte ihn an der Schulter und dr\u00fcckte ihn hinein. Der Schrei des Mannes wurde ged\u00e4mpft, als sich die schalldichte T\u00fcr schnell und fest wieder schloss. Er hatte heute ein gutes Gesch\u00e4ft gemacht. Devil lachte dreckig und \u00fcberlegte, ob er sich die Kompresse schnell noch ein- mal auflegen sollte. Er hatte das Gef\u00fchl, dass die Wirkung des Lichtes immer schneller verging. Ich habe es unter Kontrolle, sagte er sich und steckte die Kompresse in die Ta- sche. Ich werde in die STADT zur\u00fcckkehren und dann kann ich jeden Tag in der Sonne liegen. Und sie k\u00f6nnen nichts dagegen tun! Sie werden mich auf Knien bitten zu kommen! Und der Junge wird mir dabei helfen. Wieder lachte er dre- ckig. Dann, als er sich \u00fcberzeugt hatte, dass ihn niemand sah, legte er sich doch schnell noch einmal die Kompresse auf die Augen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/amzn.to\/RGbxmZ\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter\" title=\"Samson und die STADT des bleichen Teufels\" src=\"http:\/\/stadtroman.files.wordpress.com\/2012\/06\/157958_377945875599108_1278095477_n.jpg?w=180&amp;h=263\" alt=\"\" width=\"180\" height=\"263\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leseprobe aus Samson und die STADT des bleichen Teufels Aus Devil Malone Devil Malone wartete geduldig. Er hatte Zeit. Alles lief, wie er es wollte. Er starrte in die Dunkelheit. Es tropfte von der Decke. 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