{"id":433,"date":"2012-01-29T12:12:52","date_gmt":"2012-01-29T10:12:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.andreas-dresen.de\/wordpress\/?page_id=433"},"modified":"2012-02-14T14:25:42","modified_gmt":"2012-02-14T12:25:42","slug":"leseprobe-das-buch-des-huters","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.andreas-dresen.de\/wordpress\/?page_id=433","title":{"rendered":"Leseprobe &#8222;Das Buch des H\u00fcters&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Leseprobe:<br \/>\n<\/strong><br \/>\nProlog<br \/>\n\u201eWir h\u00e4tten sie ausrotten sollen, als wir noch Zeit dazu hatten!\u201c<br \/>\nDer junge Mann zog seinen verschlissenen Mantel enger um den d\u00fcrren K\u00f6rper. Seine Jeans war ausgewaschen und bereits an mehreren Stellen mit andersfarbigen Flicken ausgebessert. Die braunen Stiefel waren staubig und fleckig. Ein dichter, buschiger Bart bedeckte sein Gesicht. Die Nacht war kalt geworden, doch die beiden W\u00e4chter trauten sich nicht, ein Feuer zu entfachen, um ihren Standort nicht zu verraten.<br \/>\n\u201eSie mussten ja unbedingt Naturschutzreservate einrichten. Tierschutz. Pah, dass ich nicht lache. Und wer sch\u00fctzt jetzt uns Menschen?\u201c<br \/>\nEr spuckte in die Dunkelheit. Die M\u00e4nner sa\u00dfen zusammengekauert auf den Resten des alten Stadttores und starrten in die Nacht. Au\u00dferhalb der Stadtmauer standen nur noch die Ruinen der verlassenen H\u00e4user. Erste B\u00e4ume und Str\u00e4ucher hatten sich in den Mauerritzen breitgemacht. Sal-weiden und Sandbirken hatten begonnen, die Geb\u00e4ude langsam auseinan-derzurei\u00dfen und den Asphalt der Stra\u00dfen zu sprengen. Nachtkerze, Wilde Kamille, Brennnessel und Rauke wuchsen in dichten Teppichen auf den Pl\u00e4tzen, die fr\u00fcher einmal G\u00e4rten, Parkanlagen oder Verkehrsinseln gewe-sen waren. Kleine Tiere huschten raschelnd und jaulend durch die Dun-kelheit. Irgendwo in dem nahegelegenen Dickicht fauchte etwas. Der jun-ge Mann sprang auf und horchte.<br \/>\nSie hatten in dieser Woche die Nachtwache hier am n\u00f6rdlichen Ende der Stadt zugeteilt bekommen. Der \u00c4ltere der beiden hatte sich den Mono-log des Jungen schweigend angeh\u00f6rt. Er war glatt rasiert, doch seine Klei-dung war ebenso alt wie die des Jungen. Sein Leinenhemd war fadenschei-nig aber sauber, seine Wollhose von geschickter Hand immer wieder her-gerichtet worden. Nur die Brille, deren beide Gl\u00e4ser gesprungen waren, zeugte davon, dass in diesem Zeitalter nicht mehr jeder Schaden behoben werden konnte. Nun holte er tief Luft.<br \/>\n\u201eDas ist die Rache der Natur!\u201c, widersprach er dem jungen Mann. \u201eDas haben wir verdient!\u201c<br \/>\nDer Junge wandte sich wieder dem Alten zu und lachte sp\u00f6ttisch.<br \/>\n\u201eDass ich nicht lache. Wir haben es also verdient, wieder im Dreck zu leben? Wieder ohne Schutz dazustehen? Und als ob das alles noch nicht genug w\u00e4re, m\u00fcssen wir uns auch noch mit diesen Viechern rumschlagen. Wei\u00dft du was? Wenn unsere Vorfahren nicht so viele von den Tieren aus-gerottet h\u00e4tten, dann w\u00e4ren jetzt noch mehr Viecher hier, die uns an den Kragen wollten.\u201c<br \/>\nDer Alte streckte sich. Die Wache machte ihm langsam zu schaffen. Er wurde alt und hatte schon so viele N\u00e4chte \u00fcber die Geschichte der Welt nachgedacht.<br \/>\n\u201eNein, nein, h\u00e4tten wir fr\u00fcher mit der Natur im Einklang gelebt, anstatt sie auszubeuten und Raubbau an ihr zu betreiben, dann h\u00e4tten wir l\u00e4nger \u00fcberlebt, und die Katastrophe w\u00e4re ausgeblieben.\u201c<br \/>\nDer junge W\u00e4chter wurde laut. Er hatte seine eigentliche Aufgabe nun fast vollst\u00e4ndig vergessen und sagte w\u00fctend:<br \/>\n\u201eDu redest wirres Zeug. Wir h\u00e4tten die Kontrolle behalten, wenn diese Irren, diese verdammten Irren nicht den Stecker gezogen h\u00e4tten! Back to nature! Wenn ich nur daran denke, l\u00e4uft es mir kalt den R\u00fccken runter. Das haben wir jetzt davon. Nur gut, dass auch diese Verr\u00fcckten jetzt von den Viechern gefressen werden.\u201c<br \/>\nEs herrschte Stille. Der Alte konnte die Wut des Jungen in der Dunkel-heit f\u00f6rmlich sp\u00fcren. Er sah zwar nur seine Silhouette in der Nacht, doch seine K\u00f6rperhaltung dr\u00fcckte die ganze Wut einer Generation aus, die das Gef\u00fchl hatte, um ihre Zukunft betrogen worden zu sein. Trotzdem, der Alte seufzte, irgendwann musste er es mal jemandem sagen.<br \/>\n\u201eIch fand die immer gut. Ich habe sie sogar ein wenig bewundert damals. Gut, man nannte sie \u00d6kofaschisten. Aber endlich hat sich mal jemand ge-wehrt! Du bist vielleicht noch ein wenig zu jung, aber die Zeiten waren nicht mehr sch\u00f6n damals. Umweltverschmutzung, Ausbeutung von Mensch und Natur \u2013 an jeder Ecke konnte man es sehen, und immer hie\u00df es nur: ,Zum Schutz der Arbeitspl\u00e4tze!\u2018, ,Zum Schutz der Wirtschafts-kraft!\u2018, ,Zum Schutz des Einkommens!\u2018.\u201c<br \/>\nEr sp\u00fcrte, wie der Junge neben ihm bebte. Trotzdem sprach er weiter.<br \/>\n\u201eDie Zukunft der Welt zerrann unter unseren Fingern. Und trotzdem machten sie immer weiter! Sie saugten sie und uns bis aufs Blut aus! Wei\u00dft du, auch damals starben Menschen! Nur, es scheint mir, als st\u00fcrben sie heute ehrlicher.\u201c<br \/>\nEr hielt kurz inne, bevor er seinen Monolog beendete.<br \/>\n\u201eNiemand konnte ahnen, dass es so enden w\u00fcrde. Auch ich habe sie damals unterst\u00fctzt! Das war das erste Mal, dass ich mich etwas getraut ha-be. Sie h\u00e4tten es auch ohne mich geschafft, aber darum ging es gar nicht. Ich war dabei! Es war eine gro\u00dfe, eine sehr gro\u00dfe, gut koordinierte Aktion. Alle Computer fielen aus. Das Stromnetz auf der ganzen Welt kollabierte. Es ist nicht unsere Schuld, dass danach die Katastrophe ausbrach. Es ist vielleicht einfach nur die Rache der Natur, dass wir nun hier sitzen und uns mit Speeren und langen Messern gegen die mutierten Viecher wehren m\u00fcssen.\u201c<br \/>\nEr sah den Jungen an, der gegen Ende des Vortrags aufgestanden war. Dieser griff mit einer Hand unter seine Jacke und holte einen metallenen Gegenstand hervor. Das Licht der Sterne spiegelte sich darin.<br \/>\n\u201eIch habe noch eine Pistole\u201c, sprach er und zielte auf den Alten.<br \/>\nAls der Knall des Schusses verhallt war, lie\u00df sich der Junge schnaufend wieder auf seinen Platz fallen.<br \/>\nDann waren die Viecher pl\u00f6tzlich \u00fcber ihm.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-Buch-H\u00fcters-Andreas-Dresen\/dp\/386282053X\/ref=ntt_at_ep_dpt_1\">&#8222;Das Buch des H\u00fcters&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leseprobe: Prolog \u201eWir h\u00e4tten sie ausrotten sollen, als wir noch Zeit dazu hatten!\u201c Der junge Mann zog seinen verschlissenen Mantel enger um den d\u00fcrren K\u00f6rper. Seine Jeans war ausgewaschen und bereits an mehreren Stellen mit andersfarbigen Flicken ausgebessert. 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